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Eine Frage der Verbindung

Aktualisiert: Feb 25

In Deutschland wird beim angeln mit Kunstködern fast ausschließlich mit Geflecht gefischt.

Ich möchte Euch gerne Erläutern, dass es auch anders geht!



Wie alles begann

Wir schreiben das Jahr 2004. Von einem Freund bekomme ich den Tipp am Sonntag früh DSF einzuschalten: „Dort wird geangelt!“

Zu sehen war etwas bis dahin mir völlig unbekanntes. Angler mit Trikots voller Sponsoren fischten dort mit feinstem Gerät von vollausgestatteten Booten auf Barsche. Ich war von Beginn an fasziniert und staunte nicht schlecht über die dort gezeigten Köder, Montagen und Führungsstile und natürlich die Fische!

Ich hatte zu diesem Zeitpunkt m.E. schon sehr viel Erfahrung, da ich schon einige Jahre ausschließlich mit Kunstködern fischte und war überrascht so viel „neues“ zu sehen. Natürlich begann ich umgehend damit, mich zu informieren. Die Aufnahmen waren von der „FLW-Tour“, eine der höchstdotierten Angelturniere der Welt, in dem teilweise Preisgelder in Millionenhöhe ausgegeben werden. Sozusagen die Formel 1 der Kunstköderscene. Feinste Ruten, Rollen, Köder, einfach alles auf höchsten Niveau. Doch Was hat das alles mit dem eigentlichen Thema zu tun?

Nun, es gab eine Sache bei den Aufnahmen die mich sehr stutzig machte: „Was sind das für Schnüre auf deren Rollen?“ Es schienen Monofile zu sein und auch das charakteristische Geräusch von multifiler / geflochtener Schnur in den Rutenringen war nicht zu hören. Es stellte sich heraus, dass sie tatsächlich mit Monofil fischten. Wie konnte es sein das dort auf so hohen Niveau gefischt wird und dann mit Monofil, dass widersprach sich für mich zu diesem Zeitpunkt ganz und gar, war es doch „normal“, dass man mit einer geflochtenen Schnur fischt, wenn es um das fischen mit Kunstködern geht.


Das Experiment

Motiviert und ehrgeizig wollte ich dem auf den Grund gehen. Im nächsten Angelladen wurde kurzerhand eine vermeintlich dehnungsarme Mono besorgt. Beim ersten Probefischen dann aber die Enttäuschung, der Kontakt ging gegen 0! Es fühlte sich an, als würde ich mit einem Gummi als Schnur fischen. Kurze Zeit später flog diese wieder von der Rolle. Das konnte doch nicht sein, wie können die Profis so nur fischen? Nach mehreren erfolglosen Tests verschiedener Schnüre, hatte ich die Motivation verloren und wechselte wieder auf die gute alte Geflochtene.


Der Wandel

Es begann 2006, als der Händler meines Vertrauens hochwertige Ruten aus japanischer Kohlefaser in sein Programm aufnahm. Das war das erste mal, dass ich mit so hochwertigen Ruten in Kontakt kam. Ich nahm ein Modell in die Hand und war begeistert, so wurde sie meine erste Rute im Japan-Stil. Diese Rute beeinflusste meine weitere Entwicklung enorm. Es war erstaunlich wie viel sensibler diese Rute im Vergleich zu all den anderen Ruten war, die ich bis dahin besessen hatte. Dies brachte mich nach einiger Zeit wieder auf die Idee, mich an monofiler Schnur zu versuchen.

Nach einigen erneuten Fehlschlägen, wurde ich auf die Stroft ABR aufmerksam. Mit dieser monofilen Schnur war es mir zum ersten mal möglich, Wobbler vernünftig zu führen, auch wenn das Gefühl anders und der Kontakt geringer war, als mit Geflecht gewohnt. Die Wobbler ließen sich viel natürlicher präsentieren, die Bewegungen wirkten harmonischer, das war zumindest das was mein menschliches Auge sehen konnte. Doch auch den Fischen schien es zu gefallen. Ich fing nicht unbedingt mehr Fische, dafür aber immer häufiger große Barsche, die bekannter Weise in stark befischten Gewässern nur schwer zu überlisten sind. Woran das genau liegt, kann ich natürlich nicht sagen, es bleiben nur Vermutungen. Liegt es an der Bewegung der Köder oder an der Sichtigkeit der Schnur? Letzteres wage ich zu bezweifeln, da auch ein vorgeschaltetes Stück Fluorocarbon an der Geflochtenen daran nichts geändert hat. Ich habe schon lange den Verdacht, dass Fische die Schnur eher „fühlen“ als sehen können. Vielleicht gehen von einer geflochtenen Schnur einfach mehr Schwingungen aus, die die Fische über ihr Seitenlinienorgan wahrnehmen können. Für mich persönlich ist diese Theorie zusammen mit der natürlicheren Bewegung der Köder zumindest die plausibelste Erklärung für meine Beobachtungen. Vor allem erfahrene Barsche scheinen ein besonderes „Gespür“ zu haben, denn bei ihnen fiel die verbesserte Durchschnittsgröße besonders auf.

Den nächsten Vorteil spielte das Monofil beim Drill aus. Durch den Puffer konnte ich die Drills deutlich forcieren, ohne Angst vor Ausschlitzen oder Schnurbruch haben zu müssen. Seit dem verliere ich deutlich weniger Fische im Drill, obwohl ich generell mit angedrückten Widerhaken fische. Dieser Puffer ermöglicht es mir auch größere Fische schneller und dadurch schonender zu Landen, was vor allem für ein Zurücksetzten wichtig ist.

Dem aufmerksamen Leser wird aufgefallen sein, dass ich hier nur von Wobblern schreibe. Denn das Jiggen war so für mich noch nicht optimal möglich, dafür war der Kontakt einfach nicht ausreichend. Andere Schnüre änderten an dieser Tatsache auch nicht viel.

Da ich für das Wobbler-Fischen weichere (Regular Taper) Ruten bevorzuge, musste für diese Zwecke natürlich ein strafferes (Fast Taper) Modell her. Damit hatte ich dann auch beim Gummi-Fischen den nötigen Kontakt und eine gute Bisserkennung. Ich verwende seit einigen Jahren, vor allem für Texas- und Carolina-Rig, sogar reines Fluorocarbon als Hauptschnur. Das verbessert zusätzlich den Kontakt und die Bisserkennung aber auch die Abriebfestigkeit ist entschieden höher als bei anderen Monofilen und erst recht als bei

Geflochtener, ohne das ein Vorfachmaterial verwendet werden muss. Somit entfällt auch lästige Knoterei und Gefummel nach einem Abriss.

Wo wir gerade beim Thema sind: Monofile Schnur hat eine entschieden bessere Knotenfestigkeit und lässt sich im Winter auch viel besser fischen, weil sie kein Wasser aufnimmt und so nicht so schnell an den Rutenringen oder an der Spule fest friert.


Fazit

Ich fische nun schon einige Jahre Kunstköder fast ausschließlich mit monofiler Schnur und auch wenn ich viel Lehrgeld gezahlt habe, habe ich mich stetig weiter entwickelt. Es hat sich gelohnt!

Ich habe das Angeln mit Kunstködern für mich perfektioniert. Und neben mehreren japanischen Ruten, Multi-Rollen, Ködern und anderem Zubehör, gehören für mich auch verschiedene, für ihren Einsatzbereich angepasste, monofile Schnüre dazu.


Ich habe jetzt nicht viel positives über geflochtene Schnüre geschrieben, deshalb möchte ich hier nochmals darauf hinweisen dass natürlich auch Geflecht seine Berechtigung hat. Es ist und bleibt die dehnungsärmste Schnur zum Angeln. Das spezifische Gewicht ist deutlich geringer als bei Mono und ermöglicht dadurch bessere Wurfweiten. Das sind in meinen Augen die wichtigsten Vorteile gegenüber Monofil.

Wenn auf weite Distanzen oder in großen Tiefen gefischt wird, bleibt für viele sicher Geflecht die erste Wahl. Durch die geringe Dehnung ist es zudem auch für ungeübte Sportsfreunde einfacher Bisse zu erkennen.

Viele würden hier noch die Tragkraft als Vorteil erwarten. Da es für Multifil aber leider keine vorgeschriebenen Prüfnormen gibt, sind die Angaben von Durchmesser und Tragkraft zum größten Teil Fantasieangaben der Hersteller. Zudem verwenden die wenigsten Spinnfischer Knotenlosverbinder, wodurch die Tragkraft je nach Knoten um bis zu 50% verloren geht.


Mit diesem Bericht möchte ich versuchen, die von vielen Spinnfischern schon vergessene Mono wieder zurück in ihr Gedächtnis zu holen. Denn diese hat sich im Schattendasein weiter entwickelt und ist in meinen Augen mehr als nur eine Alternative zu geflochtenen Schnüren.

Auch wenn man in Deutschland etwas suchen muss, um eine passende Schnur zu finden, da sich der Markt bekannter Weise am Kaufverhalten orientiert, hoffe ich das ich den ein oder anderen Sportsfreund hiermit neugierig gemacht habe. Einen Versuch ist es Wert und zum Glück ist Monofil auch noch deutlich günstiger als Geflecht und somit ein weiteres Argument ihr wenigstens eine Chance zu geben.


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